Pflegevarianten bei Streuwiesen

Auswirkungen verschiedener Pflegevarianten südbayerischer Streuwiesen auf die Bestandsentwicklung stenotoper Tagfalter (Lungenenzian-Ameisenbläuling)

Streuwiesen sind ein wesentlicher Bestandteil der bayerischen Kulturlandschaft und das Ergebnis einer extensiven kleinbäuerlichen Nutzung. Pfeifengras-Streuwiesen sind von Pfeifengras (Molinia caerulea) geprägt, sie wurden ab Mitte August oder Anfang September zur Streugewinnung gemäht. Sie beherbergen eine spezifische Fauna und Flora mit vielen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten, sind jedoch durch eine Intensivierung der bestehenden Nutzung und durch Brache bedroht. Zu ihrer Erhaltung werden aus Mitteln des bayerischen Umweltministeriums Fördermaßnahmen an die Landwirte bezahlt.

Wir überprüften den Erfolg dieser Maßnahmen und ermittelten, welches Mahdregime einen Kompromiss zwischen der Erhaltung der charakteristischen Arten und der Fördermittel-Zuweisung darstellt. Hierzu untersuchten wir die Auswirkungen verschiedener Pflegevarianten (z. B. Mahdturnus, d.h. jährliche oder zweijährliche Mahd, Brache, Brachealter) auf die Bestandsentwicklung und Verteilung ausgewählter stenotoper Arten wie den Lungenenzian-Ameisenbläuling (Maculinea alcon), mit Hilfe von Transekten, auf denen die Eiablage-pflanzen Lungenenzian und Schwalbenwurz-Enzian sowie die Eier des Lungenenzian-Ameisenbläuling gezählt wurden (Maße für die Ei-Populationsdichte und Ressourcennutzung). Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts, Sukzessionsvorgänge (Verschilfung, Verbuschung etc.) wurden klassifiziert pro Streuwiese erhoben.

Einfluss des Pfeifengras-Streuwiesentyps

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Die Mahd ist ein wichtiger Faktor für den Ameisenbläuling, wobei jedoch ein vorübergehender Ausfall der Mahd keine wesentlichen nachteiligen Effekte auf die Eidichten von M. alcon hat. Mahd nur alle 3 bis 8 Jahre ist für M. alcon auf Schwalbenwurz-Enzian nicht nachteilig.
  • Da die Fördermittel begrenzt sind, halten wir es für sinnvoller, einen Teil der Streuwiesen nur alle 3 bis 5 Jahre zu mähen und das Mahdgut und aufkommende Gehölze zu entfernen, um so die eingesparten Gelder auf eine vergrößerte Flächenzahl umzulegen.
  • Ein Mosaik aus jährlich gemähten, zweijährlich gemähten und in mehrjährigen Abständen gemähten Flächen sollte angestrebt werden, wenn genügend Flächen zur Verfügung stehen. In Gebieten, in denen der überwiegende Teil der Pfeifengraswiesen degradiert ist und kaum Ameisenbläulinge mehr aufweist, sollten die wenigen verbliebenen Flächen jährlich oder zweijährlich gemäht werden. Degradierte Flächen bedürfen hier einer besonderen Pflege und Ersteinrichtung.
  • Die Wiederaufnahme der Pflege, die Entbuschung, die Entfernung aufkommender Gehölze etc. lohnt sich nach 10 oder mehr Jahren Brache für diesen Tagfalter immer noch, er kann auch auf so lange brachliegnden Flächen vorkommen.
  • Im Gegensatz zu einem "toleranten" Umgang mit "vorübergehendem mehrjährigem Brachfallen" von Streuwiesen zeigen unsere Untersuchungen, dass weitere Ökosystemfaktoren wie Entwässerungen stärker als bisher berücksichtigt werden sollten, dass Entwässerungen stark negative Auswirkungen haben und möglichst umgehend rückgängig gemacht werden sollten.

Einfluss von Entwässerung

Die Langfassung dieses Gutachtens erscheint in der Schriftenreihe des Bayer. LfU, als Berichtsband eines Symposiums des LfU und der ANL zur Effizienkontrolle (November 2000, Außenstelle Nordbayern des LfU, Kulmbach-Steinenhausen).